Verabschiedete Resolution der Personalversammlung Hauptschule am 01.04.2019.
Belastungen senken – Entlastungen schaffen!
Überlastung von Lehrkräften
Die seit Jahren steigende Belastung der Lehrkräfte und Fachkräfte für die Schulsozialarbeit hinterlässt immer deutlichere Spuren. Erschöpfung und Stresssymptome machen sich verstärkt bemerkbar.
Die Krankenstandquote der Kolleginnen und Kollegen an Hauptschulen ist die höchste aller Schulformen in NRW.
Aber nicht nur unsere Gesundheit leidet, sondern auch die Qualität unserer Arbeit, da selbst bei permanentem Einsatz jenseits der Belastungsgrenze die wachsenden Anforderungen nur noch mit Abstrichen zu bewältigen sind. Dem Erziehungs- und Bildungsauftrag können wir auch nach Ausnutzung aller zurzeit zur Verfügung stehenden Ressourcen an vielen Stellen nicht mehr umfassend gerecht werden.
Volle Stelle muss zumutbar sein!
Die Arbeitsbelastung der mit voller Pflichtstundenzahl arbeitenden Kolleginnen und Kollegen muss so beschaffen sein, dass weder ihre Gesundheit geschädigt wird noch dienstliche Aufgaben vernachlässigt werden müssen. Dies hat das Schulministerium als oberste Schulaufsicht und die Schulaufsicht der Bezirksregierung als Dienstvorgesetzte im Rahmen Ihrer Fürsorgepflicht zu gewährleisten. Dazu muss vor allem die Pflichtstundenzahl reduziert werden.
Es muss möglich sein, ein volles Deputat, bei Einhaltung der Maßgaben für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zu schultern. Es darf nicht sein, dass sich immer mehr Kolleginnen und Kollegen gezwungen sehen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren und damit auf Gehalt und Pensions-/Rentenansprüche zu verzichten, um Gesundheit und Arbeitsqualität zu erhalten.
Arbeitsbedingungen an die für die Gesundheit geltenden Normen anpassen! Arbeitsqualität und Gesundheit werden auch durch die völlig unzureichende Ausstattung unserer Arbeitsplätze gefährdet: Es existieren zu wenige geeignete Büroarbeitsplätze. Materialien müssen zwischen Wohnung und Schule sowie vermehrt zwischen unterschiedlichen Schulstandorten hin- und hergeschleppt werden. Konzentriertes Arbeiten und das Führen ungestörter Gespräche sind praktisch unmöglich. Für Beratungsgespräche von Eltern und Schülern steht den Kolleginnen und Kollegen in der Regel kein besonderer Raum zur Verfügung. Für die „Pausen" fehlen Ruhebereiche, in denen man sich erholen könnte, obwohl diese in den Arbeitsschutzbestimmungen vorgesehen sind. Wachsende Arbeitsbelastung stoppen - Arbeitsbelastungen reduzieren!
In den letzten Jahren wurde die Pflichtstundenzahl der Lehrerinnen und Lehrer nicht gesenkt, obwohl sich die Unterrichtsbedingungen erschwert haben und an Unterricht weitaus komplexere Anforderungen gestellt werden. Dazu gab es viele arbeitsintensive Neuerungen, deren Ende nicht absehbar ist. Parallel dazu wurden Ermäßigungs- und Anrechnungsstunden abgebaut. Stellen für technische Warte u.Ä. stehen in der Regel nicht zur Verfügung, um einen reibungslosen und sicheren Betrieb moderner Technologien zu gewährleisten.
➜ Exemplarisch für die zahlreichen Zusatzbelastungen seien genannt:
- Erarbeitung verschiedener Konzepte (Medien-, Vertretungs-, Förder-, Methodenkonzepte, Curricula, Umsetzung kompetenzorientierter Lehrpläne usw.)
Vorbereitung, Durchführung der Besuche durch das Dezernat für Qualitätsentwicklung, sowie die Umsetzung der Vereinbarungen Zunehmende Zahl an Konferenzen, Dienstgesprächen, Fachkonferenzen, Arbeitskreisen, Teamsitzungen und Koordinationstreffen Zunahme der Anzahl von Gesprächen mit Erziehungsberechtigten, Maßnahmeträgern und Ausbildungsbetrieben ausgelöst durch Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten (z.B. KIs, Sozialassistenz, Erziehungsberatungsstellen, Fachärzte u.a. für Psychiatrie) Zusätzliche Belastung durch Wartung und Instandhaltung der Medientechnik durch Kollegen/Kolleginnen
Zunehmende Raumnot und mangelhafter Zustand und Ausstattung vieler Räume Räume und deren Ausstattung, die den Anforderungen moderner Unterrichtsformen und gesunder Lebens- und Arbeitsbedingungen nicht mehr entsprechen überproportionale Belastung der Teilzeitkräfte und Schwerbehinderten durch die Einbindung in alle oben beschriebenen Arbeitsbereiche mit immer weniger realisierbaren Entlastungsmöglichkeiten Inklusionsaufgaben ohne ausreichende personelle, fachliche und räumliche Ressourcen Integrationsaufgabe von Flüchtlingen und anderen Migranten, teilweise mit Traumatisierungserfahrungen und hohem Alphabetisierungsbedarf bei immer stärker steigenden„Abschulungszahlen“ von „Seiteneinsteigern“- vor allem Kindern von Gymnasien und Realschulen und auch Gesamtschulen an Hauptschulen
Notwendige Maßnahmen zur Reduzierung der Belastungen! Aufgrund der Vielzahl der Belastungssituationen ist es dringend notwendig, dass unsere Arbeitsbedingungen den für die Gesundheit geltenden Normen angepasst werden! Um dies zu erreichen, ist es notwendig, dass in erster Linie die Pflichtstundenzahl reduziert, die Klassen kleiner, Anrechnungsstunden erhöht und die Arbeitsbedingungen in der Schule verbessert werden. Ergänzt werden kann dies durch bauliche Maßnahmen wie z.B. der Reduzierung des Lärmpegels in den Klassen mit Hilfe von Dämmung oder durch Schaffung von Differenzierungsräumen, durch Bereitstellung adäquater Büroarbeitsplätze, durch Schaffung von Aufenthaltsräumen für die Zeit zwischen Unterricht am Vormittag und Unterricht bzw. weiteren Veranstaltungen am Nachmittag oder Abend. Außerdem sind Räumlichkeiten für Konferenzen, Besprechungen etc. notwendig. Die Schulsozialarbeit muss ausgebaut werden und für berufsfremde Aufgaben (z.B. Medientechnik) müssen Fachkräfte eingestellt werden. Aufgabenbeschreibungen für Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen im Regelschulsystem müssen sinnvoll erstellt werden; dazu muss gewährleistet sein, dass Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen ihre Kompetenzen in der direkten Arbeit an und mit den Kindern einbringen können und nicht lediglich beratend als Ansprechpartner für zahlreiche Nicht-SonderpädagogInnen. Die „Versorgung“ aller Schulen, die inklusiv arbeiten, mit ausreichenden Anzahlen von Sonderpädagogen muss dringend gewährleistet sein. Eine Deckelung von Versorgungsbudgets kann steigende Zahlen von Kindern mit Förderbedarfen nicht berücksichtigen und muss abgeschafft werden. Regelungen, die die Eröffnung von AOSFs zur Ermittlung von Förderbedarfen einschränken und damit erschweren, verschlechtern mögliche und zum Teil dringend notwendige Förderzuwendungen bedürftiger Kinder und müssen ebenfalls abgeschafft werden; die angemessene „Versorgung“ solcherKinder ohne entsprechende Ressourcen ist an vielen Stellen schlicht nicht zu leisten. Neueinstellungen von Sonderpädagogen können in der Schulform Hauptschule nicht erfolgreich vorgenommen werden. Entlastungen schaffen! Durch die extrem gewachsene Zahl an dienstlichen Aufgaben sind viele Lehrkräfte nicht mehr dazu in der Lage, ihre Arbeit vollständig, qualitativ angemessen und in erforderlicher Sorgfalt auszuführen, ohne ihre Gesundheit zu gefährden. Wir weisen darauf hin, dass aufgrund der beschriebenen Situation Fehler entstehen können, durch die Dritte geschädigt werden, vor allem Schülerinnen und Schüler, die nicht mehr die optimale Unterrichtsqualität, Betreuung, Beurteilung, Aufsicht und letztlich Bildung erhalten, aber auch Eltern und schließlich wir als Kolleginnen und Kollegen selbst. Wir sehen an vielen Stellen Gefahr im Verzug und dringenden Handlungsbedarf.
Daher fordern wir die Schulaufsicht bei der Bezirksregierung und im Ministerium, den Hauptpersonalrat Hauptschule, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, den Verband Bildung und Erziehung und die Schutzgemeinschaft angestellter Lehrerinnen und Lehrer auf, sich verstärkt dafür einzusetzen, dass für die Kolleginnen und Kollegen an Hauptschulen effektive Entlastungen geschaffen werden, damit der Arbeitsplatz an Hauptschulen nicht weiterhin eine Gefährdung für die Gesundheit darstellt.
|